Chancennutzung durch geeignete Standortwahl in Metropolregionen

Auf der Basis von Befragungen sowie der Auswertung und Diskussion der Ergebnisse erstellen die Wissenschaftler vom IFA und AIP ein Planungsmodell für die regionale Standortplanung (Foto: IFA)

IFA | Hohes Arbeitspotenzial, starke Infrastrukturen und dichte Produktionsnetzwerke: Diese Chancen werden Unternehmen in Metropolregionen geboten. Forscher des IFA arbeiten an einem zukunftsweisenden Modell, das es Unternehmen ermöglicht diese zu erkennen und entsprechend zu nutzen.

Metropolregionen bieten Unternehmen mit leistungsfähigen Infrastrukturen, dichten Produktionsnetzwerken und der Nähe zu Forschungszentren zahlreiche Standortvorteile. Sie gelten als Antrieb für die Neuerung Europas hinsichtlich wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen. Unternehmen müssen diese Potenziale erkennen und für sich nutzen. Die Standortwahl zählt zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen eines Unternehmens, da mit ihr bedeutende Wettbewerbsvorteile aber auch existenzbedrohende Risiken einhergehen können. Dementsprechend sorgfältig muss die betriebliche Standortwahl getroffen werden. Dafür ist es erforderlich alle Standortfaktoren, die für den betrieblichen Erfolg relevant sind, zu identifizieren und in der Standortbewertung zu berücksichtigen.

Standortentscheidungen in Metropolregionen aktuell noch ohne geeignetes Vorgehensmodell

Zur Unterstützung dieser höchst komplexen Entscheidung wurden in der Vergangenheit bereits zahlreiche Modelle entwickelt. Diese beziehen sich jedoch zumeist auf die globale Ebene der Standortentscheidung. Die bestehenden Ansätze sind somit für die Bewertung der regionalen Standortfaktoren in Metropolregionen ungeeignet.

Das Institut für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) der Leibniz Universität Hannover beschäftigt sich in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Automobilwirtschaft und Industrielle Produktion (AIP) der Technischen Universität Braunschweig mit der Erforschung der regionalen Standortplanung in Metropolregionen. Durch das gemeinsame Forschungsprojekt „MetroPlant“ wollen die Wissenschaftler einen Planungsansatz schaffen, der auf genau diese Problematik zugeschnitten ist. 

Anforderungen an Standorte und deren Entwicklungen künftig berücksichtigen

Durch eine zu diesem Thema durchgeführte Vorstudie wird deutlich, dass die bisherigen Entscheidungsmodelle zukünftige Anforderungen der Unternehmen an Standorte nur unzureichend berücksichtigen. Außerdem werden potenzielle Entwicklungen der Standortfaktoren, die durch Kommunen und Unternehmen gezielt beeinflussbar sind, außer Acht gelassen. Ziel des zu entwickelnden Planungsansatzes ist es, genau diese Standortpotenziale in Metropolregionen den Betrieben zugänglich zu machen, sodass die damit verbundenen Chancen einfacher erkannt und genutzt werden können.

Daher wollen die Wissenschaftler die Unternehmen und Kommunen direkt in die Entwicklung des Planungsmodells einbeziehen. Um Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Standortfaktoren zu identifizieren sowie mögliche Entwicklungsmaßnahmen aus der Praxis zu erhalten, werden sie Informationen mittels Fragebögen und Experteninterviews sammeln. Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler Kommunen und Unternehmen in den Metropolregionen Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg und Berlin-Brandenburg adressiert. 

Unterstützung durch integrativen Planungsansatz

Der zu erforschende Planungsansatz wird sich aus einem vorgelagerten Bewertungs- und einem darauffolgenden Entscheidungsmodell aus jeweils zwei Phasen zusammensetzen. Das Bewertungsmodell dient dem Vergleich von Standortalternativen. In der ersten Phase werden aktuelle und zukünftige Unternehmensanforderungen an die Standortfaktoren ermittelt. Daraufhin erfolgt eine Einordnung der heutigen und der prognostizierten Standortqualität aller betrachteten Standortalternativen. 

Im Entscheidungsmodell werden zunächst die Entwicklungsmöglichkeiten jedes Standortes ermittelt, wobei die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens sowie das vorgegebene Budget berücksichtigt werden müssen. Aus der daraus entstehenden Gegenüberstellung aller Standorte mit den zugeordneten Entwicklungsmaßnahmen kann in der vierten Phase eine Auswahl desjenigen Standortes erfolgen, der die Unternehmensanforderungen am besten erfüllt.

Nutzung der Forschungsergebnisse verspricht vielfältige ChancenUnternehmen, die zukünftig vor der Herausforderung einer regionalen Standortentscheidung stehen, sollen durch die Forschungsergebnisse von „MetroPlant“ unterstützt werden. Denkbar ist für die Forscher vom IFA und AIP sogar die vereinfachte Darstellung und Nutzung der Ergebnisse durch ein Softwaretool. Durch die Forschungsergebnisse können die Potenziale von Metropolregionen genutzt und deren Entwicklung weiter gestärkt werden. Die erleichterte und optimierte Standortauswahl und -entwicklung in Metropolregionen ermöglicht nicht nur produzierenden Unternehmen, sondern auch Kommunen der entsprechenden Regionen große Chancen, um Unternehmen langfristig zu binden. 

von Marilena Krause

Bildergalerie zu diesem Artikel

  • Auf der Basis von Befragungen sowie der Auswertung und Diskussion der Ergebnisse erstellen die Wissenschaftler vom IFA und AIP ein Planungsmodell für die regionale Standortplanung (Foto: IFA)
  • Für ihre Untersuchung befragen die Wissenschaftler vom IFA und AIP Kommunen und Unternehmen in den Metropolregionen Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg und Berlin-Brandenburg. (Foto: jorisvo / shutterstock.com, IFA)