Fördertechnik auf dem Prüfstand: IPH testet Tragrollen

Wie viel Energie eine Förderanlage benötigt, hängt auch von den Tragrollen ab. (Foto: Luftbildfotograf - Fotolia.com)

IPH | Ob beim Fließband in der Fabrik oder beim Fördergurt im Bergbau: Eine Transportanlage benötigt umso weniger Energie, je leichter sich die Tragrollen drehen. Das IPH prüft den Laufwiderstand im Auftrag seiner Kunden auf einem modernisierten Tragrollenprüfstand.

Sie transportieren Waren zur Supermarkt-Kasse, Pakete durchs Logistikzentrum und tonnenschweres Eisenerz vom Tagebau zum Hafen: Gurtförderanlagen kommen überall zum Einsatz. Wie viel Energie sie benötigen, hängt stark von den Tragrollen ab, über die der Fördergurt gleitet. Die Stahlzylinder drehen sich auf Kugellagern um die eigene Achse. Je geringer der Widerstand dabei ist, desto weniger Strom benötigt der Antriebsmotor. Das spart Geld – dem Bergbauunternehmen, dem Fabrikbetreiber oder auch der Supermarktkette.

Modernisierter Prüfstand auch für XXL-Tragrollen

Im Auftrag seiner Kunden überprüft das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) deshalb unabhängig den Laufwiderstand von Tragrollen. In ganz Deutschland gibt es nur zwei wissenschaftliche Einrichtungen, die diese Dienstleistung anbieten. 2014 hat das IPH seinen Tragrollenprüfstand modernisiert: Jetzt lassen sich dort auch übergroße Tragrollen mit einer Länge von bis zu 1,65 Metern und einem Durchmesser von maximal 40 Zentimetern testen.

Den DIN-Normen entsprechen solche XXL-Tragrollen nicht mehr. Zudem werden sie oft unter Extrembedingungen eingesetzt: Nicht in klimatisierten Fabriken, sondern beispielsweise im Bergbau. Wie leichtgängig die Tragrollen sind, hängt dabei nicht nur vom Gewicht des Förderguts ab, sondern auch von der Umgebungstemperatur. In der australischen Wüste haben dieselben Tragrollen einen ganz anderen Laufwiderstand als in sibirischer Kälte.

Tests nach DIN und unter Extrembedingungen

Das IPH prüft die Tragrollen deshalb nicht nur nach DIN 152074 und DIN 22112, sondern auch unter den Bedingungen, unter denen sie später zum Einsatz kommen. Laut DIN müssen die Tragrollen bei einer Umgebungstemperatur von 20 Grad Celsius, einer Rotationsgeschwindigkeit von 650 Umdrehungen pro Minute und einer Belastung von 250 Newton getestet werden, damit die Werte vergleichbar sind. "Tragrollen, die unter diesen Bedingungen ideale Eigenschaften haben, können sich im praktischen Einsatz aber ganz anders verhalten", erklärt Projektingenieur Sebastian Schirrmacher.

Am modernisierten Prüfstand des IPH können die Tragrollen mit bis zu 8.000 Newton belastet werden. Geplant ist außerdem eine Klimakammer: Sie soll Prüftemperaturen zwischen -40 und +40 Grad Celsius möglich machen – und damit Tests unter echten Extrembedingungen.

von Susann Reichert

Bildergalerie zu diesem Artikel

  • Wie viel Energie eine Förderanlage benötigt, hängt auch von den Tragrollen ab. (Foto: Luftbildfotograf - Fotolia.com)
  • Prüfstand am IPH: Hier testen Wissenschaftler die Laufeigenschaften von Tragrollen. (Foto: Susann Reichert, IPH)
  • Aufbau einer Tragrolle: Der Stahlzylinder dreht sich auf Kugellagern um eine Achse. (Foto: Susann Reichert, IPH)
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